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Wundexperte ICW/TÜV
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5. Berlin-Brandenburger Wundtag

Bericht vom 5. Wundtag des Wundnetz Berlin-Brandenburg e.V. am 06. und 07. April 2018 im Forum 3 des Charité Campus Virchow in Berlin

Der diesjährige 5. Berlin Brandenburger Wundtag fand bei schönstem Frühlingswetter im architektonisch reizvollen Forum 3 des Charité Campus Virchow Klinikums im Berliner Stadtbezirk Wedding statt. Insgesamt 245 Teilnehmer erlebten in eineinhalb Tagen eine Fachtagung unter dem Themenschwerpunkt „Versorgung von Menschen mit Diabetischem Fußsyndrom“. Zum ersten Mal wurde der Wundtag in Kooperationen mit dem Deutschen Verband für Podologie (ZFD) Landesverband Berlin Brandenburg veranstaltet. Dr. Frank-J. Peter eröffnete als Vorsitzender des Vereins den Wundtag und begrüßte besonders die Kollegen der Podologie zu dieser ersten gemeinsamen Veranstaltung. Das Schwerpunktthema Diabetisches Fußsyndrom sei natürlich in Hinblick auf die gemeinsame Arbeit mit den betroffenen Patienten gewählt. Amrei Hohenwald als Vorsitzende des Landesverbandes Podologie drückte ihre Freude über das Zustandekommen und die konstruktive gemeinsame Vorbereitung des Wundtages mit den Worten aus: „Wir als Podologen sind nun mittendrin, statt nur dabei“.

Bilder: http://wundnetz-bb.de/index.php/ueber-uns/impressionen/category/9-5-wundtag

Sie sei begeistert über den interprofessionellen Austausch und die Möglichkeit in der Region Berlin Brandenburg neue Wege der Zusammenarbeit und der Fortbildungsarbeit zu gehen. In seiner Begrüßung dankte Dr. Peter im Weiteren der Charité für die Tagungsmöglichkeiten in diesen modernen Universitätsgebäuden und die organisatorische Unterstützung. Er hoffe, dass die kleine Tradition mit dem Wundtag 2017 am Unfallkrankenhaus Berlin Marzahn, in diesem Jahr hier und mit der Planung für 2019 auf dem Charité Campus Benjamin Franklin eine erfolgreiche Fortsetzung erfährt, um den fachlichen Austausch auch in verstärkter Zusammenarbeit mit den Kollegen der Berliner Kliniken auszubauen. In seinem Eröffnungsvortrag gab Thomas Finke (Facharzt in der Klinik für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie/Zentrum für Wundmedizin Vivantes Klinikum im Friedrichshain und Vorstandsmitglied des Wundnetzes) einen Überblick über die Pathophysiologie des Diabetischen Fußsyndroms und ging dabei auch auf die gesundheitsökonomische Relevanz im Gesamtkontext der Volkskrankheiten ein. Der zweite Vortrag zum Thema Leibesinselschwund konnte aus Krankheitsgründen nicht wie geplant von Frau Katja Knoll gehalten werden. So nutze Thomas Finke die Gelegenheit ausgehend von seinem ersten Vortrag das Konzept des Leibesinselschwundes in Zusammenhang mit neuropathischen und kognitiven Symptomen der Betroffenen darzustellen. Den dritten Vortrag gestaltete Maik Stendera (Leiter Krankenkassenmanagement der mamedicon GmbH). Er stellte das durch die mamedicon als Konsortialführer umzusetzende Förderprojekt zum Versorgungsmanagement für Menschen mit chronischen Wunden in Rheinland-Pfalz vor. In der Diskussion mit den Teilnehmern waren sich alle über die Sinnhaftigkeit eines begleitenden professionellen Patientencoachings einig. Im zweiten Teil seines Vortrages ging Herr Stendera dann auf die aus dem Koalitionsvertrag zu erwartenden gesundheitspolitischen Reformvorhaben ein. Auch hier gab es eine rege Diskussion über zu erwartende personelle Probleme und die sich daraus ergebenden Veränderungen in der interprofessionellen Arbeitsteilung. In seinem Resümee des ersten Teils des Wundtages griff Dr. Peter die notwendige Suche nach neuen Lösungswegen für die organisatorischen Zukunftsprobleme des Gesundheitssystems auf. Er stellte in Aussicht den Kontakt zu den Kostenträgern auszubauen. Die Struktur des Wundnetzes in Kooperation zum Landesverband für Podologie könne selbst praktische Lösungen für die Weiterentwicklung der Versorgung von Menschen mit chronischen Wunden in der eigenen Region Berlin Brandenburg einbringen und wie in dem vorgestellten Projekt in Rheinland-Pfalz mit Leben erfüllen. Am Morgen des zweiten Tages trafen sich beide Vereine, Wundnetz und Podologieverband zu ihren Jahreshauptversammlungen. In der JHV des Wundnetzes hob Dr. med. Peter noch einmal hervor, wie wichtig für die Weiterentwicklung des Netzwerkes der Kontakt zur Wissenschaft, wie zum Beispiel zur Charité, ist. In der Diskussion wurde von Mitgliedern die Bitte an den Vorstand ausgesprochen, sich des Themas Entlassungs- bzw. Fallmanagements von Netzwerkseite aus anzunehmen. Das offizielle Veranstaltungsprogramm des 2. Tages eröffnete Daniel Koch als Orthopädietechnikermeister und zeigte Möglichkeiten zur Druckentlastung beim diabetischen Fußsyndrom auf. In ihrem anschließenden Vortrag zu den Möglichkeiten und Grenzen der podologischen Behandlung ging Frau Catrin Räther als Podologin, Wundexpertin und Lehrkraft für Pflegeberufe besonders auf die Grenzbereiche der Zusammenarbeit mit Wundexperten und Medizinern ein. Die fachliche Kompetenz der Podologen werde oft unterschätzt. Das fehlende Wissen der Behandlungspartner über die therapeutischen Möglichkeiten Podologie führe leider zu oft dazu, dass die betroffenen Patienten nicht rechtzeitig in eine podologische Behandlung eintreten und eigentlich vermeidbares Leid erst verspätet und dann mit viel höherem Aufwand aber auch geringeren Erfolgschancen podologisch versorgt werden kann. Den Nachmittagsteil des zweiten Tages eröffnete Peter Emberger (Fachtherapeut Wunde) mit seinem Erfahrungsbericht, wie Patienten mit Diabetischem Fußsyndrom von der gelebten Netzwerkarbeit profitieren. Als Wundsiegel ICW – zertifizierte Einrichtung kooperiert sein Arbeitgeber als Leistungserbringer seit vier Jahren mit einigen Berliner Krankenhäusern und ambulanten Ärzten verschiedener Fachrichtungen, um mit dem eigenen Versorgungsmanagement die komplexen Probleme der Patienten mit chronischen Wunden gemeinsam zu bearbeiten. Es folgten drei medizinische Fachvorträge. Dr. Ole Goertz (Chefarzt Klinik für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie, Handchirurgie im Martin-Luther-Krankenhaus Berlin) berichtete über das Problem und die therapeutischen Möglichkeiten der Nervendekompression beim DFS. Des Weiteren berichtete er über plastische Rekonstruktionen komplexer Weichteilschäden als Folge des DFS selbst bei multimorbiden Patienten. Im zweiten Fachvortrag erläuterte Oliver Müller als Ärztlicher Leiter, Zentrum für Sauerstofftherapie und Tauchmedizin, Vivantes Klinikum im Friedrichshain die Möglichkeiten der Hyperbaren Sauerstofftherapie bei Patienten mit diabetischem Fußsyndrom. Den Abschluss gestaltete Heiko Helbig (Leitender Oberarzt der Gefäßchirurgie, vaskulären und endovaskulären Chirurgie im Vivantes Klinikum Neukölln) mit seinem Vortrag zu Amputationshöhen und diabetischer Angiopathie und deren postoperativer Versorgung. Abschließend waren sich die Vorsitzenden von Podologieverband und Wundnetz Berlin Brandenburg Amrei Hohenwald und Dr. Frank Peter einig, dass die mit dem 5. Wundtag begonnene Kooperation zwischen den beiden Vereinen einen vielversprechenden Startpunkt für die weitere Zusammenarbeit gesetzt hat. Die Teilnehmer hatten während dieser zwei Tage einen regen fachlichen Austausch mit dem berühmten Blick über den Tellerrand erlebt. So solle auch der nächste Wundtag 2019 mit dem Schwerpunktthema Lymphatischer Erkrankungen bei Menschen mit chronischen Wunden die interprofessionellen Aspekte der Behandlungsmöglichkeiten herausarbeiten. In seinen Schlussworten dankte Dr. Peter allen Referenten, Ausstellern und Teilnehmern für den produktiven Austausch. Einen besonderen Dank richtete er an die aktiv an der Organisation beteiligte Mitgliedern des Wundnetzes, wie des Podologieverbandes sowie an die Mitarbeiter der mamedicon GmbH für die professionelle Vorbereitung und Durchführung des Wundtages. Er verwies darauf, dass ein Teil der Vorträge und Impressionen des Wundtages auf der Homepage www.wundnetz-berlin-brandenburg.de für die weitere fachliche und inhaltliche Diskussion zu erreichen sind. Dr. Peter verabschiedete die Teilnehmer mit Verweis auf den nächsten gemeinsamen und Wundtag am 05. und 06. April 2019 in der Charité Campus Benjamin Franklin und mit den besten Wünschen für die gemeinsame Zusammenarbeit.

 

 

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